Direktvermarktung Erneuerbarer Energien – und warum es sich auch für Betreiber von Anlagen kleiner 100 kWp Leistung lohnt, Energie einzuspeisen

Markus Dubois, PMD Akademie, Gera August 2017

Erneuerbare Energien sind in auf dem Vormarsch, daran besteht kein Zweifel!

Windkraftanlagen, Photovoltaikanlagen und Biogasanlagen sind aus unserem Landschaftsbild nicht mehr wegzudenken und machen im Durchschnitt 33 % unseres Energieverbrauchs in Deutschland aus. Das ist ein recht hoher Wert. Besonders wenn man berücksichtigt, dass in diesem Durchschnitt auch Nachtzeiten, in denen keine Sonnenenergie umgewandelt werden kann sowie windarme Zeiten eingerechnet sind. So ist es nicht überraschend, dass wir uns entweder Zeiten, in denen wir an die 80 % oder auch leider nur 35 % unseres Stromkonsums aus erneuerbaren Energie beziehen können, gegenübersehen. Dies stellt eine große Belastung für unsere Netze und für das Lastgangmanagement dar, da die schwankenden Einspeisemengen durch andere, meist fossile Energieträger, ausgeglichen werden müssen. Leider lässt sich beispielsweise ein Kohlekraftwerk nicht so exakt und volatil steuern, um auf die schnellen Schwankungen in den Einspeisemengen reagieren zu können. Also entstehen Zeiten, an denen es am Markt ein Über- oder ein Unterangebot gibt. Das wirkt sich automatisch auf den Strompreis aus.

Dies ist ein Aspekt, an den die Direktvermarktung ansetzt. In der Regel verkauft der Betreiber einer Erneuerbaren-Energien-Anlage seinen Strom an den zuständigen Verteilnetzbetreiber. Dabei spielen der Zeitpunkt der Inbetriebnahme und die Anlagengröße eine entscheidende Rolle, da die entsprechenden Vergütungssätze fixiert sind. Der Preis bleibt dann für die nächsten zwanzig Jahre unverändert. Der Vorteil dieses Verfahrens ist seine Einfachheit: Es sind nicht viele Marktteilnehmer beteiligt und die Modalitäten ändern sich nicht. Der große Nachteil: es werden weder schwankende Nachfragen noch wettbewerbliche Aspekte berücksichtigt. Dies sind jedoch wichtige Faktoren, die unseren modernen Energiemarkt ausmachen und prägen. Auch sind Energiemengen schlecht planbar, da es keine Prognosen gibt.

Mit der Direktvermarktung versucht man nun, darauf zu reagieren. Dabei vermarktet der Anlagenbetreiber seinen erzeugten Strom über einen Einspeiselieferanten direkt an der Börse. Dieser Einspeiselieferant steht im Wettbewerb und kann jederzeit, analog zu den bekannten Lieferanten auf Entnahmeseite, gewechselt werden. Entsprechende standardisierte Marktkommunikationsregeln sind ebenfalls vorgegeben. Der Einspeiselieferant gibt also die erwirtschafteten Erlöse an den Anlagenbetreiber weiter und der Netzbetreiber ergänzt den Fehlbetrag zum anzulegenden Wert. Dadurch sollen Energiemengen zu Zeiten hoher Nachfrage verkauft werden.

Abb. 1: Das Marktprämienmodell (Quelle: PMD Akademie 2017)

Um die Bedeutung zu unterstreichen, sieht der Gesetzgeber eine verpflichtende Teilnahme an der Direktvermarktung bei neuen Anlagen ab einer bestimmten Größenordnung vor. Die Größenordnung schwankt je nach Anlagenart, so ist beispielsweise eine Verpflichtung zur Direktvermarktung bei Photovoltaikanlagen ab 100 kWp vorgesehen.

Mit dem EEG 2017 gibt es nun eine weitere Veränderung, da hier ein Ausschreibungsverfahren über die Höhe des anzulegenden Wertes entscheidet, und die Anlagen fernsteuerbar sein müssen.

Abb. 2: Ausgleichsmechanismus nach EEG 2017 (Quelle: PMD Akademie 2017)

Die Vorteile dieser Art der Vermarktung liegen auf der Hand: Sie überführt die Erneuerbaren Energien aus der Finanzierung durch einen gesetzlichen Vergütungsanspruch heraus schrittweise in ein marktwirtschaftliches Umfeld. Das bedeutet konkret, dass für die Netzauslastung bessere Prognosen durch die Einbindung von Einspeiselieferanten geliefert werden können.

Hinzu kommt sicherlich der Aspekt, dass nicht mehr die Übertragungsnetzbetreiber den Strom an der Börse handeln, sondern die im Wettbewerb stehenden Direktvermarkter. Auch werden die Ausgleichsenergiemengen deutlich reduziert, da sich die Bilanzkreistreue verbessert. So können im Intraday-Handel Fehlmengen und Überschussmengen ausgeglichen werden, was Ausgleichsenergiemengen und somit durch Erneuerbare Energien verursachte Netzschwankungen reduziert.


Abb. 3: Anstieg der EEG-Anlagen (Quelle PMD Akademie 2017)

Da es nur für relativ neue Anlagen ab einer bestimmten Größe eine verpflichtende Teilnahme an der Direktvermarktung gibt, reduzieren sich die Teilnehmer größtenteils auf diesen Anlagenkreis. Es ist aber vorgesehen, dass jeder Anlagenbetreiber, egal wie groß oder wie alt seine Anlage ist, ebenfalls an der Direktvermarktung teilnehmen kann.

Das Zusammenspiel von fixer Einspeisevergütung, Marktprämie, Managementprämie und Börsenpreis ist hauptsächlich Betreibern großer Einspeiseanlagen bekannt. Dabei könnten auch die kleineren Anlagenbetreiber, die Netzbetreiber und die Direktvermarkter davon profitieren.

Wenn Sie Fragen zu den Voraussetzungen haben, die Sie erfüllen müssen, oder wenn sie Informationen über die anstehenden Veränderungen benötigen, stehen wir gerne für Gespräche zur Verfügung.

Der Autor

Markus Dubois
Trainer

PMD Projektmanagement Deutschland Akademie GmbH

m.dubois@pmd-akademie.deMobil:     +49 151 4224 6557

 

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