7 Stufen zu einer erfolgreichen Blockchain-Strategie Teil 1

Warum Energieversorger schon jetzt mit der Erstellung einer Blockchain-Strategie beginnen sollten

Wolfram M. Walter, PMD Akademie

Einige Unternehmen starten bereits mit der Entwicklung von Blockchain-Applikationen, andere haben noch nicht einmal mit der Digitalen Transformation begonnen. Das Angebot an Informationen wächst täglich und wird zunehmend unübersichtlich. Dies sorgt bei dem einen oder anderen Unternehmen für Unsicherheiten und insbesondere bei den Mitarbeitern für Irritationen und führt teilweise sogar zu Ängsten.

Hektische Reaktionen sind nicht angesagt. Vielmehr sollte in die Diskussion ein wenig Struktur gebracht werden.

Dazu eignet sich ein 7-Stufen-Konzept:

Stufe 1: Kommunikationsstrategie aufbauen

Stufe 2: Blockchain-Agenda aufbauen

Stufe 3: Prozesse bereinigen

Stufe 4: Wissen sichern

Stufe 5: Digitale Transformation vorantreiben

Stufe 6: Partnerschaften suchen

Stufe 7: Neue Produkte gestalten

Begriffsklärung: Von der Vision zur Strategie

Einige Unternehmen haben Schwierigkeiten, die Rollen und Begriffe eindeutig zu definieren. Häufig wird von einer Unternehmensstrategie und von strategischen Zielen gesprochen, jedoch kommen einige Unternehmen nicht über eine Vision hinaus.

Bei einer Vision handelt es sich um eine langfristig ausgerichtete Idee, um ein Zukunftsbild. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt die Vision einen Rahmen für den Sinn und Nutzen des Unternehmens vor. Eine Vision wird nur dann sinnstiftend, wenn sie von allen Mitarbeitern, vom Auszubildenden bis zum Sprecher des Vorstandes, gelebt wird.

Während eine Vision nach extern wirkt, sorgt eine auf Basis der Vision erstellte Mission für eine schriftlich formulierte Konkretisierung, die nach innen wirkt. Diese Mission bildet die Unternehmensgrundsätze ab und somit auch die Leitlinien, die die Leitplanken bilden.

Zur Konkretisierung der Vision werden die strategischen Ziele definiert. Dabei fließen Anforderungen des Marktes und die Ziele der Stakeholder in die Zielformulierungen ein. Dabei ist es besonders wichtig, dass es sich um messbare Ziele handelt, die anhand von definierten Qualitätskriterien überprüft werden können. Damit die Beteiligten frühzeitig erkennen können, ob man auf dem richtigen Weg ist, sollten Zwischenziele definiert werden.

Häufig glauben Organisationen, dass sie an dieser Stelle bereits schon Fortschritte erzielt haben. Dies ist leider ein Trugschluss, denn es handelt sich bisher ausschl. um theoretische Vorarbeiten, die ein Unternehmen keinen Schritt weiter bringen. Erst mit der Entwicklung der Strategie, werden konkrete Maßnahmen vereinbart, die bei einer Umsetzung das Unternehmen tatsächlich voranbringen bzw. die Vision mit Leben erfüllen.

Beispiel:

Vision:
Wir wollen unsere Kunden auf allen wichtigen Kommunikationskanälen erreichen.

Mission:
Neben den klassischen Kundenkontakten wollen wir neue, digitale Wege einschlagen

Strategisches Ziel:
Neben den 5 aktuellen Kommunikationskanälen etablieren wir bis 2020 noch 3 weitere Wege für die Interaktion zwischen dem Kunden und unserem Unternehmen

Strategie:
Einführung einer Kundenkarte Abbildung der Abrechnung für Sondervertragskunden auf Basis einer Blockchain-Applikation

Stufe 1: Kommunikationsstrategie aufbauen

Jeden Tag gibt es neue Informationen über die Blockchain, deren Anwendungen und über Chancen und Risiken. Recherchiert man auf eigene Faust, findet man häufig Texte, die für Insider gedacht sind und die bei dem unbedarften Leser eher für Verwirrung sorgen als für Aufklärung. Hinzu kommen noch Hiobsbotschaften über virtuelle Währungen, Diebstahl von Krypthowährungen und der sehr hohe Stromverbrauch.

Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Energiewirtschaft bleiben weitestgehend die schlechten Nachrichten hängen: Energieversorger werden abgeschafft, Privatleute liefern Strom, Blockchain-Anwendungen machen die Leute im Back-Office überflüssig, Buchhalter werden nicht mehr gebraucht usw. Verständlich, dass viele Geisterbahnen im Kopf haben und dass sie Sorgen haben, wie es mit dem eigenen Unternehmen und mit dem eigenen Job weitergeht.

Das Problem: Je mehr die Desinformationen zunehmen, desto mehr Diskussionen finden am Kaffeeautomaten statt. Statt zu arbeiten werden Daily-News ausgetauscht, jeder hat wieder irgendwo, irgendetwas gehört. Das kostet Energie und Arbeitszeit, die Leistungsfähigkeit der Organisation sinkt. Außerdem dienen solche Gespräche sicherlich nicht der Motivation.

Was ist also zu tun? Die Lösung ist relativ einfach: Aufklärung betreiben!

So könnten z. B. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Abteilungsmeetings oder in größeren Besprechungsrunden, mittels Inhouse-Webinaren oder sogar Inhouse-Seminaren über die Funktionsweise der Blockchain informiert werden.

Dabei kann man einen besonderen Wert auf die möglichen Auswirkungen auf die Energiewirtschaft legen. Wichtig ist, dass die Begriffe und Rollen geklärt werden und dass dabei auf die Chancen und Risiken des eigenen Unternehmens eingegangen wird, die mit der Blockchain-Entwicklung gesehen werden. Zum Schluss könnten auf den Workshops die internen und externen energiewirtschaftlichen Prozesse identifiziert werden, die „blockchain-würdig“ sind.

Damit alle Betroffenen ein gutes Gefühl bekommen, dass das eigene Unternehmen auf einem guten Weg ist, sollte über den aktuellen Stand der Digitalisierung und Ertüchtigung der eigenen Organisation berichtet werden. Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen, dass die Unternehmensführung den Blick auf den Markt und die anstehenden Veränderungen hat.

Bei allen Diskussionen rund um die Blockchain ist eine klare Position erforderlich, in welchem Kontext man sich mit der Blockchain-Technik auseinander setzen möchte. Transparenz schafft hier das Blockchain-Prinzip:

 

 

 

In Anlehnung an einen CDO (Chief Digital Officer) könnte ein „Blockchain-Scout“ etabliert werden, der regelmäßig den Markt beobachtet und als Multiplikator dient. Im Gegensatz zum CDO ist diese Aufgabe eher eine „Sonderaufgabe“ als eine eigene Stabsstelle.

Stufe 2: Blockchain-Agenda aufbauen

Im Einklang mit den Informationsaktivitäten ist es für alle Beteiligte und Betroffene wichtig, eine Vorstellung über die nächsten Schritte des Unternehmens zu bekommen. Dabei kann eine „Block-chain-Agenda“ helfen.

Zunächst muss jedoch geklärt werden:

  • Möchte das Unternehmen eigene Blockchain-Applikationen entwickeln?
  • Soll das Unternehmen sich schon heute auf potentielle Veränderung des Marktes vorbereiten?
  • Soll abgewartet werden, bis man sich an externen Blockchain-Prozessen beteiligen muss?

Möchte man nicht warten, ist die Erstellung einer Blockchain-Vision hilfreich. Auf dieser Basis kann dann ein Workshop durchgeführt werden mit dem Ziel, gemeinsam eine Mission zu entwickeln, Chancen und Risiken für die eigene Organisation zu analysieren und einen USP (Alleinstellungsmerkmal) herauszuarbeiten. Im Anschluss an den Workshop ist die Initiierung eines internen Projektes sinnvoll, welches u.a. eine belastbare Zeitachse mit Zielen und Zwischenzielen erarbeitet.

Stufe 3: Prozesse bereinigen

Ein etabliertes Prozessmanagement (BPM = Business Process Management oder GPM = Geschäftsprozessmanagement) spielt nicht nur im Kontext Digitalisierung eine entscheidende Rolle, sondern besonders bei der Blockchain-Technologie.

In verschiedenen Studien wurden Führungskräfte gefragt, welche Prozesse sie im Kontext Blockchain sehen:

  • In der Abrechnung mit Anwendungen in den Bereichen Smart Meter, dezentrale Energie und Micropayments, verbunden mit einer zunehmende Transparenz der Abrechnungsdaten.
  • Im Vertrieb und Marketing sieht man die vertragliche Bündelung von Haushaltsgeräten und zugehörigem Strom bis hin zu Verbesserungen in der Kundenbetreuung. Außerdem kann man sich neue Produkte auf Blockchain-Basis vorstellen, bis hin zur Anpassung des bestehenden Geschäftsmodells.

  • Durch den Automatisierungsprozess sieht man Vorteile bei der Steuerung und Optimierung dezentraler Energiesysteme und im Kontext Microgrids.

  • Im Zählwesen und beim Datentransfer steht der Datenaustausch zwischen den Stakeholdern von Smart-Grid-Anwendungen im Vordergrund. Auf Basis intelligenter Messsysteme sieht man Optimierungen bei der Messdatenübermittlung und bei der Standardisierung von Datenübertragungen.

  • Mit zunehmender Präsenz von E-Mobility-Komponenten im Markt steigt auch der Bedarf an Mobilität. Dies bezieht sich einmal auf die Elektromobilität im Grundsatz als auch auf das Management von Energielieferverträgen und auf die dezentralen Abrechnungsprozesse für die Besitzer von E-Fahrzeugen, insbesondere bei der Nutzung von öffentlichen und privaten Ladestellen.

  • Die Kommunikation, nicht nur zwischen Maschinen sondern auch zwischen den Menschen, wird sich an einigen Stellen ändern. Neben dem Datenaustausch zwischen Partnern wird eine schnellere Kommunikation zwischen den Netzbetreibern erwartet. Sogar der Austausch von Wissen und das Lernen von Menschen und Maschinen (Stichwort: deep learning) wird sich verändern, bis hin zur Präsenz in den sozialen Netzwerken.

  • Bei dem Netzmanagement stehen die Systemdienstleistungen für dezentrale Energieanlagen und die Nutzung marktwirtschaftlicher Flexibilität zur Vermeidung eines weiteren Netzausbaus im Vordergrund.

  • Durch das Transparenzprinzip und durch das Vertrauensprinzip der Blockchain-Technologie sieht man wesentliche Vorteile bei der Sicherheit der Daten bzw. dem Datenaustausch. Die Authentifizierung und Kennzeichnung von Daten und der Schutz der Privatsphäre haben neben der IT-Sicherheit eine zentrale Bedeutung.

Bevor mit der Etablierung eines BPM in der Organisation gestartet wird, sollte es eine klare Formulierung des Managements geben, warum die Einrichtung eines BPM erforderlich ist. Dazu gehört insbesondere die Festlegung der Aufgaben und Ziele. Zu glauben, dass ein BPM mal so nebenbei erledigt werden kann, ist leider ein Trugschluss. Vielmehr ist die Einrichtung eines BPM-Projektes einschl. der dafür erforderlichen Strukturen erforderlich. Zu den wesentlichen Aufgaben gehören das Erstellen einer Prozess-Landschaft, das Erstellen von Prozess-Dokumentationen, die Durchführung von Prozess-Analysen mit geeigneten Methoden und Verfahren und vor allem die Einrichtung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.

Stufen 4-7

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Der Autor

Wolfram M. Walter
Professional Scrum Master
Member of German Speakers Association
Geschäftsführer der PMD Akademie

w.walter@dms-gruppe.de
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Heike Wenzel

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