Blockchain: Wer den Baum schneiden möchte, benötigt einen Baumkletterer und keinen Rosenzüchter!

Welche Menschentypen wir für die Entwicklung von Blockchain-Lösungen brauchen

Wolfram M. Walter, PMD Akademie, April 2018

Dass man mit Hilfe einer Blockchain-Lösung zukünftig keine Intermediäre (Zwischenhändler) mehr benötigt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Das ist ein Grund dafür, warum sich zunehmen Banken und vereinzelt auch Versorgungsunternehmen mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Auch ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass man mit Hilfe einer Blockchain z.B. Kundenportale entwickeln kann, um darüber Ökostrom zu handeln und dass diese Technik gut geeignet ist, im Bereich E-Ladestationen und Mieterstrommodelle eingesetzt zu werden. Wenn man jetzt noch die Marktkommunikation und die damit verbundenen Kundenwechselprozesse über eine Blockchain abrechnet, gehen einem so langsam die Ideen aus, wofür man die Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft noch sinnvoll einsetzen kann.

Schaut man sich die aktuellen Prozesse an, sowohl intern als auch extern, kommt man zu einer wesentlichen Erkenntnis:

Alles, was aktuell digital funktioniert, funktioniert auch ohne Blockchain!

Um digital bezahlen zu können, stehen heute viele Möglichkeiten zur Verfügung. Man kann seine Geldkarte auffüllen, um damit bezahlen zu können und wenn per Karte an einem Bezahlautomaten bezahlt wird, wird der Kontostand geprüft. Große Datenmengen können auch heute schon übertragen werden und dass die Daten auf mehreren Rechnern redundant vorgehalten werden, ist auch nicht neu. Bevor man den Kaffeeautomaten in der Kantine mit einer App und per Blockchain benutzt, nimmt man doch lieber den Firmenausweis und lässt das Geld am Ende des Monats vom Gehalt direkt abziehen. Wozu also eine Blockchain-Lösung?

Das Problem sind nicht die Anwendungen und potentielle Lösungen, sondern die Menschen, mit denen man sich über Blockchain unterhält.

Wenn wir heute über mögliche Lösungen diskutieren, dann haben wir die aktuellen Anwendungs-felder im Blick. Diese Anwendungsgebiete sind begrenzt und es gibt schon viele Lösungen = Lösungsfelder, die besetzt sind. Ob sich die freien Lösungsfelder für eine Blockchain-Lösung eignen, mag in Einzelfällen zutreffen. Das Geschäft schlechthin wird man daraus nicht entwickeln können.

Abb. 1: Anwendungsfelder und bereits besetze Lösungen

Dieses Problem gab es auch 2007, als die Handy-Hersteller intensiv daran gearbeitet haben, die Tastatureingabe und das Schreiben von Nachrichten zu verbessern. Natürlich hätte Steven Jobs auch daran arbeiten können, weitere Lösungen für Tastatureingaben zu verbessern. Hat er aber nicht. Stattdessen hat er das Anwendungsfeld einfach erweitert und Lösungen für Anwendungen geschaffen, die es bis dahin noch gar nicht gab.

Abb. 2: Erweiterte Anwendungsfelder und noch viele unbesetzte Lösungen

Ähnlich muss auch heute gedacht werden, wenn über mögliche Blockchain-Lösungen diskutiert wird. Das setzt aber voraus, dass sich die richtigen Menschen zusammenfinden: Unternehmenslenker mit Mut, die bereit sind, neue Wege zu beschreiten, Dinge auszuprobieren und ggf. zu scheitern. Kreative Menschen mit einer hohen Methodenkompetenz, die gemeinsam mit anderen Interessierten die ausgetretenen Wege verlassen und über Lösungen zu Anwendungen nachdenken, die es heute noch gar nicht gibt. Man braucht einen anderen Menschentypen für das, was man entwickeln möchte.

Nun sind das schon ein paar komische Menschen, diese „Blockchainer“.

Da gibt es zunächst den Argumentierer. Dieser wird häufig gefragt, warum man die Blockchain-Technologie überhaupt benötigt, denn schließlich sind die meisten der heute vorhandenen digitalen Prozesse absolut funktionstüchtig.

Der Argumentierer ist eher konservativ eingestellt und etwas vorsichtig in der Argumentation. Er lehnt sich nicht mit neuen Ideen aus dem Fenster und teilt sein Wissen nur anderen Menschen mit, wenn man ihn fragt. Wird er um seine Meinung zur Blockchain gebeten, versucht er die positiven Aspekte der Blockchain zu argumentieren, was ihm leider nicht immer gelingt. Lädt man ihn zu einem Kreativworkshop oder einem Strategietreffen ein, hofft er, dass er aufgrund von Terminschwierigkeiten nicht teilnehmen kann.

Dann gibt es den Aufspringer. Dieser hat sich bereits über interessante Blockchain-Anwendungen informiert und kann einige Beispiele nennen. Er bewertet diese Lösungen und gibt Prognose ab, wie sich die Blockchain-Technologie aus seiner Sicht entwickeln wird. Insbesondere kennt er sich mit den kryptischen Währungen recht gut aus.

Der Aufspringer ist IT-technisch interessiert. Neue Ideen für neue Produkte hat er nicht, wohl aber den einen oder anderen Hinweis, warum die vorhandenen Lösungen aus seiner Sicht nicht optimal sind und was er verbessern würde. Diese Ideen teilt er gerne anderen Menschen mit, auch wenn sich diese vielleicht gar nicht für das Blockchain-Thema interessieren. Wird er zu einem Kreativworkshop oder zu einem Strategietreffen eingeladen, kommt er gerne.

Der Modifizierer ist den Blockchain-Themen recht aufgeschlossen und ist an vielen Informationen interessiert. Die Kenntnisse über die Blockchain hat er sich durch Recherchen erworben und er hat sich auch mit dem einen oder anderen Experten ausgetauscht. Er liest nicht nur verschiedene newsletter über Blockchain-Anwendungen sondern er hat auch die eine oder andere Studie gelesen.

Der Modifizierer hat durchaus kreative Fähigkeiten und bringt seine Ideen gerne ein. Sein Wissen wird von seinen Zuhörern mit Begeisterung aufgenommen, denn schließlich weiß er deutlich mehr als alle anderen. Auch wenn er seine Ideen gerne einbringt, setzt er auf die gängigen Ideen-Findungs-Methoden und ist nur bedingt flexibel. Wird er zu einem Kreativworkshop oder zu einem Strategietreffen eingeladen, erstellt er sich zuvor eine kleine Agenda mit allen Punkten, die er vorbringen möchte.

Die Pioniere sind ganz anders unterwegs. Die saugen alles auf, was sie über das Thema „Blockchain“ finden können. Sie haben weniger das Problem, interessante Themen zu finden, als vielmehr die Schwierigkeit, sich nicht zu verzetteln. Sobald er sich mit anderen Menschen über vorhandene Lösungen austauscht, produziert er ganz viele neue Varianten und Erweiterungsideen.

Der Pionier ist äußerst kreativ und hoch flexibel. Er ist in der Lage, aus nur wenigen Stichworten ganz neue Ideen zu entwickeln, die sich auf dem ersten Blick vollkommen utopisch anhören. Seine Kreativität ist seine Stärke, ergänzt durch eine ausgeprägte Methodenkompetenz. Bei seinen Vorschlägen sprengt er alle Grenzen, sowohl was die Branche angeht als auch was potentielle Anwendungsgebiete betrifft. Er muss nicht zu einem Kreativworkshop oder Strategietreffen eingeladen werden, sondern organisiert selber welche.

Sie als Entscheidungsträger oder Verantwortlicher für Innovationen sollten sich nun eine Meinung bilden, mit welchem Blockchain-Typen Sie die nächsten Schritte beschreiten möchten. Mit Argumentierern kann man sich mal am Kaffeeautomaten unterhalten, Gespräche mit Aufspringern sind nicht schlecht und mit Modifizierern kann man ganz gut Standardaufgaben bewältigen. Wenn Sie richtig etwas bewegen wollen, brauchen Sie Pioniere.

Wenn Sie das Thema Blockchain ernsthaft interessiert, nehmen Sie Kontakt zu mir auf. So ein gemeinsamer Workshop erfordert von allen Beteiligten einen hohen persönlichen Einsatz. Aber das ist bei Anschiebern immer so.

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Der Autor

Wolfram M. Walter
Professional Scrum Master
Member of German Speakers Association
Geschäftsführer der PMD Akademie

w.walter@dms-gruppe.de
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 Mobil: +49 171 566 1155

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